Know-how im Haus bleiben

Königsee-Rottenbach. Seit Ende Februar produziert die Medizintechnik Sattler GmbH auch in ihrer am Firmensitz im Industrie- und Gewerbepark Königsee neu gebauten Halle. Diese bietet 350 Quadratmeter Arbeitsfläche für CNC-Zerspanung und Oberflächentechnik. Darin untergebracht sind zudem Büro, Sanitärräume und Räumlich­keiten für die Qualitätsprüfung.

Die Investitionssumme beziffert Geschäftsführer Sven Sattler auf knapp 800"000 Euro. ­Darin eingeschlossen sei die ­Anschaffung von fünf neuen Maschinen, informiert er. ­109"000 Euro seien Fördermittel von der Thüringer Aufbaubank. Mit der Produktionserweiterung einher gingen Sattlers Auskunft nach drei Neueinstellungen. Weitere fünf seien bis Ende 2015 geplant.

"Wir haben die Halle gebaut und in die Technik investiert, damit unser Know-how im Haus bleibt", sagt der Chef des König­seer Medizintechnik-Herstellers. "Etwa 80 Prozent unseres Umsatzes entfallen auf selbst entwickelte, produzierte und vertriebene Produkte", erklärt er. Vor allem handelt es sich dabei um neurochirurgische In­strumente für die Wirbelsäule und Retraktoren für fast alle chirurgischen Fachdisziplinen. Überdies werden in der Firma Knochenbohrer, - fräser und Gewindeschneider für die Traumatologie gefertigt. Der Absatz auf dem Binnenmarkt und der Export-Anteil halten sich in etwa die Waage. Als wichtigste ausländische Märkte nennt der Geschäftsführer Russland, die USA, Italien, Frankreich, Polen und Vietnam.

Medizintechnik Sattler hat seinen Worten nach bei der Herstellung von Retraktoren eine Spitzenstellung in Deutschland inne. Retraktoren sind Systeme, die chirurgische Tätigkeiten wie das Spreizen von Wunden oder das Zuführen von externen chirurgischen Industrumenten und Lichttechnik übernehmen. Weil diese Systeme dem Zustand der Patienten individuell angepasst werden müssen, sind Sattler selbst und Außendienst-Mitarbeiter der Firma zwei- bis dreimal wöchentlich an Operationen direkt beteiligt - nicht nur in Deutschland. "Besonders in Osteuropa, wo diese OP-Technologie noch nicht so bekannt ist, ist das dringend notwendig", sagt Sven Sattler. Er verweist außerdem darauf, dass die GmbH markenübergreifend Hauptpartner für Reparaturen an chirurgischen Instrumenten ist, u.a. für die Uniklinik Jena, die Zentralklinik Bad Berka und das Helios-Klinikum Erfurt.

Sattler sieht sein Unternehmen mit aktuell zirka 30 Mitarbeitern, eingerechnet der Außendienst, gut aufgestellt. Sorge bereite allerdings, dass gute Fachkräfte rar werden. Deshalb engagiert sich die Firma seit 2007 in der Arbeitsgemeinschaft Metallwerkstatt der Königseer Regelschule. Ihr Produktionsleiter Oliver Möller gehört zu den drei AG-Betreuern, die derzeit sechs Acht- und Neuntklässler unter ihren Fittichen haben. Gern könnten Schüler bei einem Praktikum "mal bei uns hinein schnuppern", bietet Sattler an.