Bei Retraktoren ist Medizintechnik Sattler aus Königsee unter deutschen Top 3

Königsee-Rottenbach. „Am Anfang stand der Handel mit chirurgischen Instrumenten. Heute ist Medizintechnik Sattler als Hersteller in der Lage, die gesamte Bandbreite instrumenteller Chirurgie anzubieten.“ So steht es auf der Internetseite der Königseer Firma zu lesen, die im Bereich der Retraktor-Technik nach Auskunft ihres Chefs Sven Sattler zu den Top 3 in Deutschland zählt.

Der Diplom-Ingenieur für Maschinenbau gründete das Unternehmen im Jahr 1993. Die Neu- und Weiterentwicklung innovativer und zukunftsorientierter Instrumente hat er sich mit seinem Team auf die Fahnen geschrieben. Umgesetzt wird das Ganze in Zusammenarbeit mit Medizinern in Kliniken und niedergelassenen Ärzten sowie in Kooperation mit Forschungseinrichtungen.

Medizintechniker operieren selbst mit

Besonders bemerkenswert: „Wir operieren richtig mit“, sagt der Geschäftsführer. Grund dafür ist, dass die Retraktoren den Patienten individuell angepasst werden. Erst kurz vor Weihnachten war Sattler selbst ­wieder an mehreren Tagen in der Medinos-Klinik in Neuhaus am Rennweg im Operationssaal gefragt.

Aber was sind eigentlich Retraktoren? Der heute 51-Jährige erklärt es so: „Diese Systeme übernehmen Aufgaben wie das Spreizen von Wunden oder das Zuführen von externen chirurgischen Instrumenten, Licht-, Absaug- und Überwachungstechnik, was Freiräume für das medizinische Personal schafft.“ber was sind eigentlich Retraktoren? Der heute 51-Jährige erklärt es so: „Diese Systeme übernehmen Aufgaben wie das Spreizen von Wunden oder das Zuführen von externen chirurgischen Instrumenten, Licht-, Absaug- und Überwachungstechnik, was Freiräume für das medizinische Personal schafft.“

Binnenmarkt und Export halten sich die Waage

Zum Einsatz kommen die Systeme hauptsächlich in der Ober- und Unterbauchchirurgie, der Orthopädie, hier speziell in der Hüft- und Knieprothetik, der Bypass- und Strumen-Chirurgie sowie in der Carotis-Chirurgie, also bei Operation wegen Halsschlagader-Verengung.

Neben den Retraktoren entwickelt, produziert und vertreibt der im Königseer Industrie- und Gewerbepark ansässige Medizintechnik-Hersteller hauptsächlich neurochirurgische Instrumente für die Wirbelsäule, aber auch rotierende chirurgische Instrumente wie Knochenbohrer, Knochenfräser und Gewindeschneider für die Traumatologie. Etwa zu gleichen Anteilen werden die Erzeugnisse auf dem Binnenmarkt verkauft beziehungsweise exportiert.

2016 will das Unternehmen nach den Worten seines Geschäftsführers „mit neuen Produkten durchstarten“. Der Königseer nennt hier flexible Bohrer für die Klein- und Großchirurgie, „mit denen man 45 Grad um die Ecke bohren kann“, neue Retraktorsysteme für Operationen an der Brustwirbelsäule mit Zugang zum Operationsfeld über den Bauchraum, den Rücken oder seitlich. Neu ist schließlich auch ein Notfallset, mit dem abgebrochene Schrauben und Nägel während einer Operation aus dem Knochen entfernt werden können.

Sven Sattler sieht seine Firma mit aktuell zirka 20 Mitarbeitern, die Beschäftigten im Außendienst eingerechnet, „für 2016/17 sowohl produktspezifisch als auch im Vertrieb gut aufgestellt“. Neue Vertriebspartner hat sie nicht nur in China gefunden, wo sie sich im Mai 2015 erfolgreich in Shanghai bei einer der größten Medizintechnik-Messen präsentierte, sondern auch in Australien, im Iran, in Mexiko und im Baltikum.

Zu den wichtigsten ausländischen Märkten gehören weiterhin die USA, Italien, Frankreich, Polen und Vietnam, während das Russland-Geschäft in den beiden vergangenen Jahren nahezu weggebrochen ist. Vor allem dieser der politischen Lage geschuldete Verlust – nicht zuletzt auch an Know-How – schmerze natürlich sehr, räumt Sattler ein und habe auch Personalabbau unumgänglich gemacht. Zudem habe sich veränderte Zuschussverteilung über die Krankenkassen negativ ausgewirkt.

Gegensteuern war deshalb das Gebot, und da hat sich die Firma ein spezielles Alleinstellungsmerkmal gesichert: Sattler® gibt es nunmehr als eingetragenes Warenzeichen, insbesondere für die Anwendung als Sattler®Retraktorsystem. Und: Um 35 Prozent haben die Königseer ihr OEM-Geschäft gesteigert. Die Abkürzung OEM steht für Original Equipment Manufacturer (Originalausrüstungshersteller). „Wir entwickeln, produzieren und zertifizieren neue innovative Produkte für Medizintechnik-Unternehmen rund um den Globus. Diese Produkte – alles von allgemeinen chirurgischen Instrumenten bis zu komplizierten Implantaten – werden dann unter dem Namen der jeweiligen Partnerfirma vertrieben“, lässt Sven Sattler wissen. Große Stücke hält er übrigens auf seinen neuen Produktionsleiter Andrè Käding aus Lichtenhain an der Bergbahn. Käding habe sich durch hervorragende Produkt- und Technologiekenntnis profiliert, lobt der Chef.

Ausgebildet wird in dem Königseer Unternehmen gegenwärtig nicht. Guter Berufsnachwuchs werde rar, beklagt Sattler. Damit abfinden will sich die Firma aber nicht, sondern bietet unter anderem für junge Leute, die an der Berufsrichtung Zerspanungsmechaniker interessiert sind, Workshops im Haus an. Vielleicht gibt es ja wieder eine „Auffrischung“ bis 2018, wenn Medizintechnik Sattler 25-jähriges Bestehen feiert.